Zwischen den beiden Grenzposten liegt ein ca. 4km breiter Streifen No-mans-land. Es gibt keine Strasse sondern nur ein Weg aus Sand und Steinen.
Daneben liegen Autowracks, Pneus und ein Paar Kamele trotten umher. Pro Grenze mussten wir drei Mal den Pass vorweisen -
für die Zollbeamten, die Polizei und dann noch das Militär. Und jeder ist natürlich extrem wichtig.
Wir sind aber relativ "schnell" durch das ganze Prozedere durchgekommen. Ein Tourist mit Auto wird mehr Zeit aufwenden müssen.
Ja und nun sind wir bereits in Nouakchott, der Hauptstadt von Mauretanien.
Die Strecke Nouadhibou - Nouakchott haben wir wieder mit einem Minibus zurückgelegt.
In der Hauptstadt dürfen wir nun bei einem Franko-Amerikaner übernachten.

Baden in Nouakchott
Er arbeitet auf der amerikanischen Botschaft, wohnt aber in einem armen Quartier. Strom hat er - fliessend Wasser gibt es aber nicht.
Die Toilette ist zugleich Duschraum. Sehr einfach aber praktisch. Die Leute sind sehr angenehm.
Wir werden nicht als Touristen angesprochen, sondern in Ruhe gelassen. Deshalb entschieden wir uns noch einen weiteren Tag zu bleiben,
etwas im Meer baden zu gehen und die Fischer beim Einbringen vom Tagesfang auf dem Fischmarkt zu beobachten.
Es herrscht eine sehr angenehme Stimmung hier. Und wir werden ganz herzlich von Ndira beherbergt.
Danach gehts mit dem Velo weiter an die Senegalesische Grenze.
Unterwegs in Afrika, Bericht 5, Update: 11.02.11
Es ist schon eine bisschen verkehrte Welt. Jenes Land, vor dem wir aufgrund von EDA- und Bekanntenempfehlungen am meisten Respekt hatten -
Mauretanien - hat sich als jenes Land gezeigt (bis jetzt), wo wir uns eigentlich am wohlsten fühlten.

Rast in der Wüste Mauretaniens
Der Tourismus ist noch nicht wirklich dort angekommen und entsprechend begegnet man uns mit Respekt und versucht nicht die ganze
Zeit uns etwas zu verkaufen oder uns vorderhand zu helfen. Das einzige Mal wo es geknallt hat, war der Pneu eines Kleinbusses.
Sonst war es extrem ruhig und herzlich.
Die Fahrt an die Senegalesische Grenze dauerte 2 Tage - und was wir vom Grenzübergang in Rosso zu hören bekamen, war nichts Gutes.
Kaum sind wir auch dort angekommen, sprangen uns jede Menge Menschen an und wollten uns über die Grenze bringen usw.
Dann stiessen wir auf einen Polizisten, der die Pässe forderte. Wir dachten, es wäre wieder eine normale Strassenkontrolle, wie es sie wie bisher gab.
Dann meinte der Polizist, für umgerechnet SFR. 22.00 pro Person würde er den ganzen Grenzübertritt mit Fähre organisieren und uns begleiten. Wir sagten ihm, das sei viel zu viel und wir müssten sowieso noch ein Paar Einkäufe erledigen, er solle uns die Pässe wieder zurückgeben. Er händigte sie uns aus und sprach davon, das er den ganzen Tag dort stehe und auch etwas verdienen müsse.

Kälber in der Wüste
Nach den Einkäufen sind wir dann direkt zur Zollschranke gegangen, wo sie uns die Pässe wieder abnahmen, jedoch ohne etwas zu verlangen.
Das ganze Prozedere mit dem Ausreisestempel ging recht schell vor sich und wir mussten nur kurz auf die Fähre warten,
welche uns über den Grenzfluss führte. Auch auf der Senegalesischen Seite verlief das ganze angenehm schnell.
Während andere mit einem Geldschein auf ihren Pass warteten, wurden uns die Pässe ohne Cadeaux wieder zurückgegeben.
Wir glauben, wenn man mit dem Velo in diesen Ländern unterwegs ist, wird man noch etwas bestaunt und gleichzeitig belächelt.
Und es ist nicht so, dass sie von uns viel erwarten. Da haben es Touristen mit dem Auto oder Bus sicher schwerer und sind einer grösseren
Willkür von Polizisten und Grenzbeamten ausgesetzt.
Die Vegetation im Senegal, südlich des Grenzflusses, hat schlagartig umgeschlagen. Wir sind noch am gleichen Tag nach St.Louis gefahren, einer Stadt,
welche die Franzosen ganz zu Beginn ihrer Kolonialzeit errichtet hatten. Die rechteckige Anordnung der Strassen auf der
Insel sowie die nun heruntergekommenen Gebäude zeugen noch davon. .
Wir verbrachten zwei Nächte in der Stadt. Für den Versand eines Päckchen mit nicht mehr benötigtem Material brauchten wir etwa einen h
alben Tag und mussten 3 Mal auf die Post. Zuerst mussten wir eine Kartonbox auftreiben. Nach dem ersten Postbesuch,
bei der sie gerade geschlossen war wegen einer assemblée, erfuhren wir noch, dass der Karton noch in Packpapier eingehüllt sein muss.
Dann begann die Suche nach dem Packpapier. Zurück auf der Post funktionierte die PC-Übertragung der Gewichtsmessung nicht.
Wir wurden auf den nächsten Tag vertröstet. Am nächsten morgen musste ich dann noch ca. 1h auf der Post verbringen mit Adressen, Absender,
Bezahlung usw., bis ich schlussendlich gehen konnte. Und jetzt heisst’s abwarten.
Nach St.Louis fuhren wir nach Thies (70km östlich von Dakar), von wo wir mit dem Zug nach Bamako (Mali) fahren wollen.
Am Bahnhof von Thies erfuhren wir dann, dass es gar keinen Zug mehr gibt auf dieser Strecke.

Dicke Umarmung, kurz vor Thies, Senegal
Wir haben dann einmal unser Nachtlager aufgesucht und am nächsten Tag uns erkundigt,
wie und wo die Busse nach Bamako fahren. Und sind fündig geworden. Das heisst, bald stehen uns 24h Busfahrt voraus...
Unterwegs in Afrika, Bericht 6, Update: 21.02.11
Die Busfahrt nach Bamako war dann echt ein Highlight (à la Africaine?!?).
Uns wurde gesagt, Treffpunkt sei um 0900 Uhr und Abfahrt um 1000 Uhr. Am Vorabend bekamen wir dann ganz unerwartet einen Anruf
(zum Glück hatten wir das Natel angestellt). Dort wurde uns mitgeteilt,
dass die Abfahrt um 0530 Uhr vor verschoben wurde und wir uns um 0500 Uhr treffen würden beim "Rondpoint" beim "Hopital Regional" wo es eine "SGB-Bank" hat.
Wir wussten nicht genau wo das war, hatten aber eine Vermutung wo es etwa sein könnte.
In der Dunkelheit fuhren wir dann in die Stadt und fanden bei einem "Rond Point" das "Tribunal Regional" und dort hatte es auch eine "SGB-Bank".
Wir vermuteten dann, wir hätten das Telefon falsch verstanden - "Hopital" anstatt "Tribunal".
Nach einem weiteren Telefon kapierten wir dann, dass es wirklich ein "Hopital" mit dem beschrieben Anhang gab.
Wir stressten dorthin und dachten wir sind schon viel zu spät. Aber ja, wir sind ja in Afrika. Wir durften uns hinsetzen und warteten einmal ab.
Nach einer gewissen Zeit holten wir beim Beck Brot und Frühstückten und warteten weiter. Der Bus sei in Dakar abgefahren und auf dem Weg zu uns nach Thies.
Der Bus fuhr dann mit fast 2 Stunden Verspätung ein. Jeder Fahrgast hatte natürlich Gepäck, welches eingeladen werden musste.
Das ganze Prozedere dauerte unendlich lange, so dass wir um ca. 0900 Uhr dann abfuhren. Uns wurde gesagt,
der Bus fahre direkt nach Bamako ohne Umsteigen oder Zwischenhalt. Deshalb zahlten wir auch ohne Bedenken dem Packboy die üblichen Gepäckkosten.
Kurz nach Start der Busfahrt gab’s dann auch schon die erste Streitigkeit zwischen ein Paar Fahrgästen wegen einer heruntergefallenen Kiste.
Und Jonas sass mittendrin und konnte das Lachen nur schwer unterdrücken. Nach ca. 2h Fahrt hielten wir in einem Dorf und mussten alle aussteigen und alles Gepäck wurde ausgeladen. Also doch ein Umsteigen!! Dann standen alle Fahrgäste in der Mittagshitze und um sie herum ein riesiger Gepäckhaufen.
Das Gepäck wurde erst wieder eingeladen, nachdem es erfasst wurde und die Fahrgäste etwas für den Transport des Gepäcks zahlten.
Und wieder gab es Streitigkeiten. Als wir an der Reihe waren, sagten wir ihnen, wir hätten bereits in Thies für die Velos bezahlt,
worauf sie uns etwas ungläubig ansahen und uns zum Postenchef schickten.
Das dumme war, dass wir keine Quittung hatten für das bezahlte Gepäck und somit nichts vorweisen konnten. Wir hatten jedoch 2 Billette bekommen.
Eins bei Bezahlung und eine Art Flugticket dann am Morgen vor der Abfahrt.
Wir gaukelten dann dem Postenchef vor, dass das erste Billet die Gepäckquittung sei. Er wollte zuerst nicht akzeptieren und sprach davon,
dass er das Geld auf seinem Tisch sehen will,
ehe er die Velos einlade. Nach einigem Hin und her telefonierte er dann nach Thies und schnautzte den dortigen Postenchef heftig zusammen.
Schlussendlich wurden die Velos eingeladen. Glück gehabt. Die weitere Reise war dann eine Fortsetzung von dem was wir bisher erlebt hatten -
ein wahres Theaterspektakel mit Schmiergeld für die Polizei, weiteren Streitigkeiten unter den Fahrgästen,
beinahe Handgreiflichkeiten, fehlende und wieder aufgefundene Gepäckstücke, Schleichwegen beim Zoll, Schmiergeldzahlungen beim Zoll und Reifenpannen.
Wir haben uns köstlich amüsiert. Und ich glaube hätten wir nicht einfach genug Zeit gehabt um das zu geniessen, wir wären wohl verrückt geworden.

Fluss Bani, südlich von Segou
Die Velos haben die Fahrt gut überstanden. Nur eine Stange meines Frontgepäckträgers ist gebrochen.
Das ganze wird nun mit Dyneema-Cord und Kabelbindern wieder zusammengehalten. Aus materialtechnischer Sicht läufts gut.
Wir haben keine grösseren Schäden erlitten. Einzig eine hintere Schutzblechaufhängung und ein Bidonhalter haben nun auch einen Kabelbinder
als Unterstützung.
In Senegal, kurz vor St.Louis haben wir unseren ersten Platten gehabt. Und Jonas hat den Übeltäter auch ausfindig machen können.
Ein kleiner Stachel steckte im Reifen. Einen weiteren Plattfuss gab’s dann noch auf der Weiterfahrt nachdem wir
Bamako verlassen hatten. Ich habe natürlich immer noch die Hoffnung, ohne Platten nach Accra zu fahren.

Marken wie Maggi, CocaCola und Orange sind hier omnipräsent
In der Millionenstadt Bamako / Mali hausten wir in einer einfachen Herberge. Die Gastgeber kochen noch mit Feuer.
Hier in Bamako ist nun auch das eingetroffen, mit dem wir rechnen mussten, aber nie wirklich wahrhaben wollten oder daran glaubten - Durchfall.
Wir müssen irgendwo etwas aufgelesen haben. Wir hatten beide einen Tag Durchfall - nicht schlimm aber trotzdem -
Jonas verbrachte einen Nachmittag und Nacht mit Fieber im Bett. Am nächsten Tag war die ganze Sache aber zum Glück wieder vorbei.
Jonas hatte noch ein paar Tage mit Blähungen zu überstehen.
Von Bamako weg sind wir nun mit einem Engländer unterwegs (www.wallisonwheels.com).
Er startete letzten August nördlich von London und fährt bis nach Kapstadt runter.

Der Toubab und seine Fans
Seit Senegal sind wir nun die "Toubab's". Immer wenn wir irgendwo in ein Dorf fahren hören wir die Kinder mit Toubab-Toubab-Rufen
oder dann stimmen sie sogar ein Gesang ein "Toubabuuu-Toubabuuu". Während sie in Marokko immmer sagten "donne-moi stylo"
heisst es seit Senegal immer "donne-moi cadeau" oder "donne-moi argent". Das ist v.a. dort der Fall, wo die Kinder Touristen zu
Gesicht bekommen. So war dies z.B. in Mauretanien viel weniger vorgekommen und auch im Malischen Hinterland hören wir diese Bitten nur noch selten.
Seit Bamako haben wir auch angefangen, uns mit Wasser aus den Ziehbrunnen zu versorgen. Das heisst jetzt jedes Mal, das Wasser zu filtern.

Attraktion, wenn der Toubab Wasser filtert
Wir müssen es uns nun richtig verdienen. In Marokko kostete ein 5-Liter-Kanister Wasser noch etwas mehr als 1 Sfr.
In Bamako zahlten wir pro Flasche bereits 0.80 Sfr. Hier auf dem Land ist es nun schwierig geworden, überhaupt Wasser in PET-Flaschen zu finden.
Die Leute hier können es sich auch gar nicht leisten.
Unterwegs in Afrika, Bericht 7, Update: 21.02.11
In Koloko verlässt uns der Engländer, da er direkter durch Mali fahren will.
Wir nehmen es gemütlicher und wählen nach dem Zoll zu Burkina Faso eine Piste über Sindou.
Es ist eine malerische Strecke und die längste Allee, die wir je gesehen haben.
Die 125km Sandpiste ist praktisch nonstop als Allee angelegt worden. Daher ist es auch sehr angenehm zu fahren, da wir im Schatten sind.
Das Land entlang dieser Route wird intensiv bewirtschaftet. Wir sind gerade in einer sehr fruchtbaren Gegend.
Die holprige Sandpiste forderte auch die Velos recht heraus. Eine Schraube bei der Aufhängung des Frontgepäckträgers ist gebrochen und eine
Speiche musste ersetzt werden.
Kurz vor der Grenze zu Burkina Faso machten wir bei einem Wasserfall halt. Dort trafen wir auf einen Bauern, der dort seine Felder hat.
Die Grösse des bewirtschafteten Landes würden wir wohl eher als größeren Garten bezeichnen. Wir fragten den Bauern, ob wir bei ihm arbeiten können.
Er willigte ein und so halfen wir ihm 2-mal morgens und 1-mal abends mit der Spritzkanne das Gemüse zu bewässern.

Power beim Bauer von Farako / Mali
Als Dank schenkte er uns Gemüse und eine Papaya. Und er kam sogar noch bei unserem Lagerplatz vorbei um auf Wiedersehen zu sagen als wir weiter reisten.
Die Strecke in Mali und Burkina Faso führte uns durch eher arme Gegenden. Die Dörfer bestehen aus Lehmhütten mit Strohdächern.
Sie leben in sehr einfachen Verhältnissen, wirken aber zufrieden. Es hat zwar vereinzelt Autos auf den Strassen,
doch in den Dörfern sieht man praktisch keine. Und falls doch sieht es wie eine Fremdkörper aus, der nicht in diese Welt gehört.
Anders als in Marokko oder Senegal sieht man viel weniger Abfall entlang der Strassen liegen. Was aber nicht heisst, dass eine Abfallabfuhr existiert.
Oft sieht man Spuren von verbranntem Abfall.
Egal wo wir stoppen - ob für eine kurze Rast im Nirgendwo oder für das Nachtlager im Busch - wir sind nie allein. Irgendwie hat es überall Leute,
die plötzlich aus dem Gebüsch hervortreten oder mit einem holprigen Velo vorbeifahren. Sie sind immer nett und heissen uns herzlich willkommen.
In Banfora fanden wir eine Molkerei. Sie produzieren Joghurt, Rahm, Butter und auf Vorbestellung auch Käse.
Wir genossen die Milch und den Joghurt in vollen Zügen. Und bei der Unterhaltung mit dem Patron, liess er uns noch seinen Butter mit Brot kosten.
Jonas zeigt ihm Fotos mit Kühen von zu Hause. Darauf erklärte uns der Patron, er wünsche sich auch eine solche Kuhrasse,
da die hiesigen Kühe momentan in der Trockenzeit nur etwa 1 Liter Milch pro Tag produzieren.
In der Nähe von Banfora kommen wir nochmals an Wasserfällen vorbei. Sie stellen eine Touristenattraktion dar und entsprechend hat es viele Touristen -
auch viele Toubab's. Wir ärgern uns ab dem Fakt, dass es Eintritt kostet. Der Betrag ist marginal aber uns nervt, dass sie etwas verlangen ohne etwas dafür
zu tun, wie zum Beispiel Abfall wegräumen oder eine Toilette aufzustellen. Ob man ein Ticket hat, wird hingegen sehr gern kontrolliert.
Auf der Weiterfahrt Richtung Bobo-Dioulasso geht es uns zunehmend schlechter. Eine lange Nacht verbringen wir mit Fieber und Durchfall im Zelt
und hinter Büschen ;-) . Am nächsten Tag geht’s bereits wieder besser, wir fahren gemütlich nach Bobo und gönnen uns hier eine Herberge um uns noch ganz
zu erholen.
Unterwegs in Afrika, Bericht 8, Update: 13.03.11
Nachdem der Durchfall sich in Bobo nicht besserte, habe ich mir eine Antibiotika-Kur verschrieben. Jonas hoffte noch auf seine Darmflora.
Doch nach weiteren 2 Tagen ohne Besserung ist auch er auf Chemie umgestiegen. Diese hat dann ihre Wirkung entfaltet und dem Ganzen ein Ende bereitet.
Von Bobo sind wir dann nicht direkt auf der Hauptachse nach Ouagadougou, sondern über die nördlich gelegenen Städte Dedougou und Koudougou gefahren.
Wir hofften auf etwas weniger Verkehr. Zudem gab’s wieder über 100 km Sandpiste. Es war eine gute Entscheidung und wir genossen die Fahrt,
die Dörfer und kleinen Städte, welche wir passierten sehr.

Ausruhen nach einem Tag Fahrt auf der Piste, vor Koudougou
Kurz vor Dedougou sind vor uns 2 Burkinabés auf Velos gefahren. Plötzlich machten sie 180 Grad kehrt und sagten uns,
wir sollen mit ihnen ein Stück zurückfahren. Wir haben sie nicht ganz genau verstanden, folgten ihnen aber.
Kurz darauf zeigten sie uns neben der Strasse auf etwas, was sich im Gebüsch unter einem Baum bewegte. Es waren 4 Elefanten,
die dort friedlich am futtern waren. Wir schauten dem Ganzen natürlich erstaunt zu und genossen den Anblick dieser Dickhäuter,
welche wir ganz und gar nicht erwartet hatten.
Seit Bamako hat die Hitze stetig zugenommen. Wir versuchen nun immer ab der Mittagszeit bis ca.
1500 Uhr der intensiven Sonneneinstrahlung aus dem Weg zu gehen.
Diese Zeit verbringen wir daher irgendwo im Schatten eines Baumes oder wenn es passt gehen wir in einem Dorf etwas essen.
Die Temperaturen erreichen nun hier in Burkina Faso über 40 Grad. Einen Affenhitze. Die Sonne heizt auch das Wasser in den Bidons am Velo so stark auf,
dass man sich fast die Hände daran verbrennt. Immerhin nimmt man die Temperatur im Mund nicht so stark wahr wie auf der Hand und das Wasser
lässt sich noch trinken. Wir trinken nun locker mehr als 10 Liter Wasser pro Tag und Person. Das meiste schwitzen wir aus.
Die Hitze spüren wir natürlich auch am Abend. An ein frühes zu Bett gehen ist gar nicht zu denken. Die Sonne speist den Boden mit so viel Wärme,
das dieser, wenn es dunkel ist und die Luft sich bereits abgekühlt hat, noch immer Wärme von sich gibt. Wenn wir dann das Zelt aufstellen
und uns hineinlegen, ist es als wären wir in einem Ofen mit Unterhitze. Darum warten wir ziemlich lange, bis wir das Zelt aufstellen und suchen
andererseits jeweils einen Platz, der wenn möglich nicht direkt von der Sonne angestrahlt wird. Also unter einem Baum mit möglichst grosser Krone,
welche ab Mittag in einem Bereich Schatten wirft und somit der Boden nicht zu viel Wärme speichert.

Kinder am Töggelichasten
Wenn es geht versuchen wir jeweils in den kleinen Dörfern Früchte und Gemüse zu kaufen oder gerade Mittag zu essen. Meistens gibt’s dann ein
Reisteller mit Sauce oder sonst eine lokales Gericht, wie Surghum mit Erbsen. Diese Gerichte kosten jeweils 20 - 40 Rappen. Das gekühlte Cola oder Fanta,
welches wir dazu trinken kostet gleich 4-mal mehr, etwa 80 Rappen. Ab und zu gönnen wir uns als Morgenaufstrich ein Nutella. Eigentlich völlig übertrieben,
v.a. wenn man den Nutella-Preis von bis zu 6 Franken mit einem Mittagessen im Dorf vergleicht.
Wenn man hier einen Café au lait bestellt, kriegt man meistens den Inhalt eines kleinen Beutels Nescafe mit 2-3
Löffeln flüssiger und gezuckerter Kondensmilch und heissem Wasser serviert. In diesem Verhältnis schmeckt man eigentlich nur die gesüßte Kondensmilch.
Und es sollte eher Lait au café heissen… ;-) Eine solche Zuckerdosis peppt aber auf und wir trinken es sehr gerne.

Aus Inspirationssuche im Baustellenschrott
Nun sind wir in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos. Wir dürfen hier bei Nicole in ihrem kleinen Haus logieren.
Sie arbeitet für das DEZA im Bereich nonformaler Bildung. Es ist das erste Mal auf unserer Reise, dass wir eine Küche benützen können.
Und davon profitieren wir natürlich gerne. Wir haben nun auch einen Kühlschrank und nicht nur eine Pfanne. Wir geniessen es sehr,
für eine Weile sesshaft zu sein und nicht jeden Tag das Zelt abbrechen zu müssen.
Das DEZA schreibt den Mitarbeitern im Ausland vor, einen Wächter für das Haus zu haben. In Nicole's Fall teilen sich 3 Männer diese Arbeit Tag und
Nacht und Sonntags auf. Viel haben sie nicht zu tun. Eigentlich sitzen sie den ganzen Tag im Schatten. Da sie zum Teil nicht lesen können,
bleibt ihnen nur ein Radio als Unterhaltung. Verständlicherweise möchten sie jeden Tag das Auto putzen.
Wir sind hier in Ouaga sicher noch ein Paar Tage, bevor wir dann nach Ghana weiterreisen müssen. Unser Visa läuft am 20.März aus.
Bis dann müssen wir die Grenze überschritten haben.
Unterwegs in Afrika, Bericht 9, Update: 27.03.11
In Ouaga ist es heiss. Die Temperatur klettert am Nachmittag über 40 Grad Celsius.
Bei Nicole hatten wir zum Schlafen eine harte Pritsche und eine weiche Matratze.
Weil man in der weichen Matratze einsinkt und dadurch mehr schwitzt, stritten wir jeweils vor dem zu Bett gehen um die harte Pritsche
;-)
Als wir in Ouaga ankamen, haben wir gerade das FESPACO verpasst, das grösste afrikanische Filmfestival.
Weil die Filme danach jeweils in den lokalen Kinos laufen, gingen wir in ein Quartierkino um einen solchen Film anzuschauen.
Der Film um 19 Uhr fiel wegen Stromunterbruch aus. Deshalb haben wir auf die 21 Uhr Vorstellung gewartet.
Das Kino ist nicht bedacht und es gibt 2 Sitzkategorien. Betonbänke oder Metallstühle. Zu Beginn waren wir die einzigen Gaeste.
Nach einiger Zeit sind noch 4 weitere Personen gekommen. Mit dem Film hatten wir wohl etwas Pech und wir konnten uns nicht vorstellen,
das dieser Film am FESPACO gezeigt wurde. Nach kurzer Zeit fragten wir uns, wie wir das wohl aushalten, zumal die Sitze zum Schlafen viel zu unbequem sind.

Der Esel als wichtiges Transportmittel
Nach Ouaga sind wir über Po nach Ghana gefahren. Als wir in Po Wasser filtern fragte ein Dorfbewohner, ob wir Wasserkontrolleure seien.
Nachdem wir ihm erklärt hatten, was wir machen, unterstützte er uns dann tatkräftig beim Pumpen. Seitdem sind wir froh,
dass wir den robusten Pocket-Filter von Katadyn dabei haben. Die Kinder sind meistens begeistert, wenn sie uns sehen, winken uns nach, kommen uns beim Filtern zuschauen.
Doch hie und da gibt es Kleine, die panische Angst vor uns weissen Toubabs haben und schreiend das Weite suchen.

Auch das Velo wird zum Warentransport benutzt
Mit Ghana beginnt auch ein anderes Zeitalter. Am Grenzposten werden wir digital erfasst. Der Pass wird gescannt,
die Personaldaten werden in den Computer eingegeben und eine Digitalkamera macht ein Bild von uns.
Weiter gehts mit modernen Werbeplakaten, Bachsteinhäusern und allgemein einer erhöhten Geschäftstätigkeit der Leute.
Dies zeigt sich bereits in der Verfügbarkeit von Waren, welche wir hier antreffen.
Es scheint das die Leute mehr Geld besitzen um sich Waren zu ersteigern. Aber trotzdem,
das Wasser kommt noch aus Pumpbrunnen und fliessend Wasser gibt es nur selten.
In Ghana durften wir auch wieder einmal seit Langem eine Vegetationsaenderung miterleben.
Nachdem wir seit Bamako praktisch immer in der Savanne gefahren sind, ist es seit Tamale schlagartig grün geworden. Das Klima ist extrem feucht,
es regnet beinahe jeden Tag. Wir haben nun den Bereich des tropischen Regenwaldes erreicht.
Alles lebt. Horden von Ameisen schnappen sich sofort unsere Essensreste und transportieren sie fort.
Eine Nacht haben wir unter diesen Bedingungen noch im Zelt verbracht. Weil wir mit Regen rechnen mussten, mussten wir das Aussenzelt montiert lassen.
Damit staute sich zusätzlich die Hitze und Schwüle im Zelt, was nicht sehr angenehm war.
Im freien Schlafen koennen wir wegen den Moskitos und Ameisen auch nicht. Deshalb übernachten wir seit Kintampo in Unterkünften.

Bei einer Unterhaltung in Tamale
Nun sind wir in Kumasi angelangt. Eine Millionenstadt mit extrem verstopften Strassen.
Wir würden uns hier keine Minute im Auto fortbewegen wollen. Wer Vortritt will, hupt. Taxis hupen um Kunden auf sich aufmerksam zu machen.
Lastwagen hupen, um vor sich zu warnen. Eigentlich hupt hier jeder die ganze Zeit.
Unterwegs in Afrika, Bericht 10, Update: 04.04.11
Unser Plan war von Kumasi aus mit dem Zug nach Takoradi an der Küste Ghanas zu fahren.
In Kumasi selber haben wir dann schnell gemerkt,
dass der Bahnhof und die Geleise nicht wirklich für einen Bahnbetrieb ausgelegt sind.
Stattdessen ist das ganze Areal zu einem Markt umfunktioniert worden oder mit Vegetation überwachsen.
Also war auch hier nicht mit einer Zugfahrt zu rechnen. Schade, hätten wir gerne noch erlebt.
Deshalb nahmen wir einen Bus nach Cape Coast, wo wir 5 Nächte blieben und uns etwas Strandferien gönnten.
Wir geniessen die Wellen und die Möglichkeit, sich im Wasser abkühlen zu können, merken aber auch,
dass an gewissen Orten Afrika für Frauen das ist, was Thailand für Männer sein kann.

Vegetationsänderung
Wir verpflegten uns hauptsächlich durch Essenstände auf der Strasse,
welche von Frauen an jeder Ecke betrieben werden. Die Auswahl beschränkt sich dann auf Reis mit verschiedenen Saucen, Jolof und Fufu.
In den Saucen hat es meistens noch Fisch, Fleisch oder Poulet, je nach Wahl. Eines Abends fand Jonas kleine Rippchen im Fleisch.
Der Grösse nach schlossen wir auf Ratte.
Von Cape Coast aus unternahmen wir einen Ausflug in den Kakum-Nationalpark im Regenwald.
Der Eintritt kostete zwar nur 70 Rappen, der geführte Naturewalk dann schon 10 Franken und der Spaziergang über ein paar Hängebrücken auf
Baumkronenniveau sogar 20 Franken pro Person. Wir waren etwas überrascht ob solcher Preise und liessen die Hängebrücken aus.
Viele Touristen scheinen trotzdem zu bezahlen. Trotz der hohen Preise ist die Ausstellung im Infocenter seit 15 Jahren nicht mehr aktualisiert worden.

Fischerboot in Cape Coast
Nach Cape Coast fuhren wir mit dem Velo weiter nach Winneba, ebenfalls einem Küstenort. Von dort aus wollten wir weiter nach Kokrobite fahren,
ca. 30 km vor Accra. Nach kurzer Strecke entschlossen wir uns aber für Autostopp. Der Verkehr hat so zugenommen,
dass Velofahren kein Spass mehr machte. 2 Rastas haben uns auf dem Ladedeck ihres Kleinlasters mitgenommen.
Auf der viel befahrenen Strasse nach Accra ist uns ein richtiges Velorennen mit ca. 80 Radrennfahrern begegnet.
Die Strasse wird natürlich nicht gesperrt, und wer nicht mehr im Feld mitkommt, muss bei jedem Lastwagen auf den Kiesstreifen ausweichen.
Die Tour geht über 9 Tage. Nächstes Jahr müssen sie wahrscheinlich auf den gleichen Strassen fahren, da nur die Hauptverkehrsachsen asphaltiert sind.
Auf der Fahrt nach Winneba machten wir kurz Halt bei einer Krankenstation.
Bald schon kamen 2 Krankenschwestern auf uns zu und schon nach 10 Sekunden Gespräch sagt die eine zu mir "I love you".
Nach wie vor bin ich nicht verheiratet :-)
Von Kokrobite aus nehmen wir am Mittwoch ein Taxi zum Flughafen, um den Strassenverkehr zu meiden.
Wir sind also am Ende unserer Reise angelangt und freuen uns auf Käse, Milch, Vollkornbrot, Schoggi und vor allem euch!

Morgen vor dem Heimflug, Kokrobite Beach
Während Jonas mit Continental-Reifen 3 Platten eingefahren hat,
haben meine Schwalbe-Reifen immer noch Schweizer Luft im Schlauch! Das Velo als Reisemittel ist einfach wunderbar.
Man durchfährt das Land mit anderen Augen, als wenn man im Auto sitzt. Der Kontakt zur Bevölkerung entsteht automatisch.
Man braucht sich um Essen und Wasser zu kümmern, wo jeder Tourist mit Auto einfach durchfährt,
was oft spannender ist als Touristenattraktionen. Dort wo man müde ist, macht man halt, macht Autostopp oder nimmt einen Bus.
Entgegen unseren Erwartungen, waren wir kein einziges Mal konfrontiert mit Diebstahl, Raub oder Gewalt.
Unsere Veloschlösser hätten wir wohl nie ernsthaft gebraucht und über unsere Geldstrümpfe für unter die Hosen können wir im Nachhinein nur schmunzeln.
Die Leute waren im Gegenteil sehr respektvoll und hilfsbereit.
Die grösste Gefahr lauert im Strassenverkehr. Hier muss der Schwächere Verkehrsteilnehmer auf seine Sicherheit schauen.
Der Stärkere hat Vortritt. Wir hatten bis jetzt aber Glück und unser grösstes Problem waren die Magenverstimmungen.
Mit Durchfall muss gerechnet werden.
Uns wurde erst in den armen Ländern der Verantwortung bewusst, welche man als Tourist eingeht.
Wir versuchten das Geld in sinnvoller Weise auszugeben, also lokale Produkte zu konsumieren und keine Kinderarbeit zu unterstützen.
Was nicht immer ganz einfach ist. Viele Leute und v.a. Kinder fragen nach Geschenken oder sogar Geld. Wir fragen uns schwer,
wo sie dies gelernt haben und ob es tatsächlich Weisse gibt, die Geschenke und Geld verteilen. Man muss sich bewusst sein,
dass dieses Geschenkverhalten auch negative Seiten mit sich bringt. So sind Geschenke oft auch eine Konkurrenz zur lokalen Geschäftstätigkeit,
welche ohnehin schon Mühe hat, sich zu entwickeln.
Die Strecke erlaubte uns ein breites Spektrum an Ländern und Kultur zu erleben. Während Marokko und Ghana weit entwickelt sind,
trifft man mit Mauretanien, Mali und Burkina Faso sehr arme Länder an. Man merkt einen beträchtlichen Unterschied zwischen Marokko
und dem schwarzen Afrika - in der Kultur, der Religion, dem gesellschaftlichem Verständnis, dem Essen und vielem mehr.
Wer weiss, vielleicht geht die Reise irgendwann von Accra aus weiter...
Besten Dank fürs Interesse und bis bald.
Marc & Jonas
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